DachdeckerGesellenprüfung
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Dachflächen mit Dachziegeln und Dachsteinen decken

1. Lehrjahr · 60 Std.

DachformenDachgeometrie und DachteileDachziegel- und DachsteinartenDeckungsartenRegeldachneigungTraglattungMaterialbedarfAbsturzsicherung

Theorie

Dachformen und Dachteile erkennen

FirstTraufeOrtgangWasser fließt vom First zur Traufe; in der Kehle sammeltes sich.

Die wichtigsten Dachformen sind das Satteldach (zwei geneigte Flächen mit First), das Walmdach (auch die Giebelseiten sind geneigt), das Zeltdach (vier gleiche Dreiecksflächen zu einer Spitze), das Pultdach (eine geneigte Fläche) und das Flachdach.

Die Kanten am Dach haben feste Namen: Der First ist die oberste waagerechte Kante. Die Traufe ist die unterste Kante, an der die Dachrinne sitzt. Der Ortgang ist die seitliche Kante an der Giebelseite. Der Grat ist eine nach außen fallende Kante (am Walm), die Kehle eine einspringende Kante, in der zwei Flächen zusammenlaufen.

Wer die Dachteile sicher benennt, versteht auch die Anschlüsse und den Wasserlauf — Wasser fließt von First zur Traufe, in der Kehle sammelt es sich.

Ziegel und Steine unterscheiden

1231Biberschwanz – ohne Falz2Falzziegel – Falze führen das Wasser3Hohlpfanne – WellenprofilZiegel werden aus Ton gebrannt, Dachsteine aus Zementgepresst.

Dachziegel werden aus Ton gebrannt, Dachsteine aus Zement und Sand gepresst. Beide decken geneigte Dächer regensicher ein.

Wichtige Ziegelarten: Biberschwanz (klein, glatt, viele Stück je m², wird meist als Doppel- oder Kronendeckung verlegt), Falz-/Hohlfalzziegel (mit seitlichen und oberen Falzen für dichte Überdeckung), Reformziegel und Flachdachziegel (glatte, moderne Optik) sowie Mönch und Nonne als historische Form.

Die Falze machen Falzziegel besonders regensicher, weil das Wasser zwangsgeführt wird. Biberschwanzziegel haben keine Falze — ihre Dichtheit entsteht durch die doppelte Überdeckung.

Regeldachneigung und Zusatzmaßnahmen (ZVDH 2024)

RDNbis zur Regeldachneigungregensicher ohne Zusatz1Klasse 1 – Unterdach (höchste)2Klasse 2 – Unterdach3Klasse 3 – Unterdeckung4Klasse 4 – Unterspannung5Klasse 5 – einfachste StufeJe flacher das Dach oder je höher die Anforderung, destohöher die Klasse.

Die Regeldachneigung (RDN) ist die Neigung, bis zu der eine bestimmte Deckung ohne Zusatzmaßnahmen als regensicher gilt. Die ZVDH-Fachregel für Dachziegel und Dachsteine gilt ab einer Mindestdachneigung von 10°.

Wird die RDN unterschritten oder liegt eine erhöhte Anforderung vor, muss eine Zusatzmaßnahme unter der Deckung eingebaut werden. Seit der Neufassung 2024 gibt es dafür fünf Klassen: Klasse 1 = wasserdichtes Unterdach, Klasse 2 = regensicheres Unterdach, Klasse 3 = nahtgesicherte Unterdeckung, Klasse 4 = nahtgesicherte Unterspannung, Klasse 5 = überlappte Unterspannung.

Bei einer erhöhten Anforderung wählt man einfach die nächsthöhere Klasse. Erhöhte Anforderungen sind zum Beispiel: Sparrenlänge über 10 m, besondere Dachformen wie eine Fledermausgaube, Nutzung des Dachgeschosses zu Wohnzwecken, schneereiche oder windexponierte Lagen.

Windsog sicher verklammern

Sogspitzen: Ortgang, First, Kehle, TraufeckeWindlastzonen 1–4, Zone 4 an Küste und InselnDort dichter verklammern. Ab 65° Dachneigung wirdjeder Ziegel gesichert.

Wind erzeugt an der Dachfläche einen Sog, der die Ziegel abheben kann. Deutschland ist in vier Windlastzonen eingeteilt: Zone 4 (Küste und Inseln) hat die höchste Last, das Binnenland wie NRW und die Region Unna liegt in Zone 1 oder 2.

Die stärksten Sogkräfte, die Sogspitzen, treten an den Rand- und Eckbereichen auf: am Ortgang, First, an der Kehle und am Pultdachabschluss. Dort wird dichter verklammert als in der Fläche.

Wie viele Sturmklammern je Quadratmeter nötig sind, hängt von Windzone, Gebäudehöhe, Dachform und Lage ab. Als Faustregel gilt: Ab 65° Dachneigung muss jeder Ziegel mechanisch befestigt werden.